| Aktuell, Presseerklärungen des FRNRW 75 Jahre GFK: Gute Aufnahme in NRW als Grundbedingung fairer Verfahren

Bochum, 28.07.2026   
Pressemitteilung 05/2026

75 Jahre GFK: Gute Aufnahme in NRW als Grundbedingung fairer Verfahren

Vor 75 Jahren, am 28.07.1951, verabschiedeten die Vereinten Nationen unter dem Eindruck der leidvollen Vertreibungs- und Verfolgungserfahrungen des Zweiten Weltkriegs die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK). Seither garantiert dieses – mittlerweile von fast 150 Staaten ratifizierte – Abkommen die unveräußerlichen Rechte von schutzsuchenden Menschen und bildet den unumstößlichen Grundpfeiler des völkerrechtlichen Flüchtlingsschutzes. 

Ein zentrales Prinzip der GFK ist das sog. Non-Refoulement-Gebot, welches die Zurückweisung von Flüchtlingen in Staaten verbietet, in denen ihnen Verfolgung bzw. schwere Menschenrechtsverletzungen drohen. Um diesem Grundsatz gerecht zu werden, müssen Aufnahmestaaten Zugang zu fairen und individuellen Asylverfahren und effektiven Rechtsschutz gewährleisten. Dies droht durch die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) systematisch ausgehebelt zu werden.

„Insbesondere die erhebliche Ausweitung sog. sicherer Herkunftsländer birgt die Gefahr, dass auch in NRW die Asylanträge vieler Schutzsuchender nicht mehr sorgfältig individuell geprüft, sondern in Schnellverfahren abgehandelt werden“, kritisiert Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW. „Gerade vulnerable Personen können, wenn sie nicht als solche erkannt und behandelt werden, durch das Raster fallen und trotz Schutzbedarfs abgelehnt werden.“

Die schwarz-grüne Landesregierung muss deshalb zeitnah ein schon seit Jahren rechtlich vorgesehenes Verfahren für die frühzeitige und verlässliche Erkennung der besonderen (Schutz-)Bedürfnisse von geflüchteten Menschen auf Grundlage eines wirksamen Identifizierungskonzepts im Aufnahmesystem umsetzen. Nur durch lückenlose Erfassung möglicher Vulnerabilitäten können diese sowohl bei Unterbringung und Versorgung als auch im Rahmen des Asylverfahrens Berücksichtigung finden. Die Wahl zentral gelegener statt abgeschiedener Standorte für Landeseinrichtungen würde in diesem Zusammenhang etwa eine bessere Erreichbarkeit von Fachärztinnen und spezialisierten Beratungsstellen garantieren, aber auch für andere Schutzsuchende z. B. den Zugang zu Rechtsanwältinnen und kommunalen Anlaufstellen verbessern.

Innerhalb der Einrichtungen braucht es u. a. geeignete Rückzugsräume, wo Schutzsuchende in Ruhe ihre Fluchtgeschichte aufarbeiten und sich auf die Anhörung beim BAMF vorbereiten können. Auch muss das Land angesichts des drohenden Kahlschlags bei der – schon jetzt nicht ansatzweise bedarfsdeckenden – bundesgeförderten nicht-behördlichen Asylverfahrensberatung (AVB) für ein flächendeckendes, unabhängiges Beratungsangebot in den Unterkünften sorgen.

„Das eindeutige Bekenntnis zum Flüchtlingsschutz in der GFK stellt eine beachtliche historische Errungenschaft und zugleich einen aktiven Auftrag dar. Dies muss wieder im Zentrum der Flüchtlingspolitik aller politischen Ebenen stehen!“, mahnt Naujoks.

Für Rückfragen stehen wir unter der angegebenen Telefonnummer zur Verfügung.
Fabian Bonberg, Flüchtlingsrat Nordrhein-Westfalen e. V.

 

Die Pressemitteilung finden Sie hier auch als PDF-Datei.

 

Zurück zur Startseite

Weitere Informationen

Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Mit dem Ehrenamtspreis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

Weitere Informationen zum Ehrenamtspreis.

Nein zur Bezahlkarte: Ratsbeschlüsse aus nordrhein-westfälischen Kommunen

In dieser regelmäßig aktualisierten Übersicht dokumentiert der Flüchtlingsrat NRW, welche Kommunen sich bisher gegen die Einführung einer Bezahlkarte für Schutzsuchende entschieden haben.

Zur Übersicht der Kommunen.

Keine Propaganda auf Kosten von Flüchtlingen - Neue Arbeitsshilfe und Flyer

Als Flüchtlingsrat NRW fördern wir die Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit über die Situation von Flüchtlingen und setzen uns aktiv gegen menschenverachtende Ideologien ein, um Propaganda auf Kosten von Flüchtlingen entgegenzuwirken.

Argumentationshilfe gegen Vorurteile herunterladen.

Den Flyer können Sie hier runterladen. Gegen die Übernahme der Portokosten ist er zudem kostenlos bei uns bestellbar. 

Broschüre zum Engagement für Flüchtlinge in Landesunterkünften

Der Flüchtlingsrat NRW hat die Broschüre „Ehrenamtlich engagiert – für Schutzsuchende in und um Aufnahmeeinrichtungen des Landes NRW“ aktualisiert (Stand September 2025).

Broschüre herunterladen.

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingsbezogene Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand November 2025, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von flüchtlingsbezogenen Projekten und Veranstaltungen, insbesondere zu flüchtlingspolitischen Themen, angefragt werden können.

Mehr zu Kooperations- und Fördermöglichkeiten

Forum Landesunterbringung

Neues Webforum "Flüchtlinge in Landesaufnahmeeinrichtungen in NRW (WFL.NRW)" jetzt online!
Das Webforum möchte einen Einblick in die Situation von Flüchtlingen in Landesaufnahmeeinrichtungen ermöglichen.

Zum Webforum.

 

Gefördert u.a. durch: