| Aktuell, Gemeinsames europäisches Asylsystem GEAS-Reform tritt heute in Kraft – scharfe Maßnahmen für „sichere Herkunftsstaaten“

Berlin, 12. Juni 2026 – Am heutigen Freitag ist die umfassende Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) sowie das dazugehörige nationale GEAS-Anpassungsgesetz in Deutschland offiziell vollumfänglich in Kraft getreten. Für Asylsuchende aus einer Reihe neu eingestufter „sicherer Herkunftsstaaten“ bringt der heutige Stichtag tiefgreifende rechtliche Verschärfungen: Sie sind ab sofort mit strikten Arbeitsverboten, einer massiv verlängerten Lagerpflicht und systematischen Einreisesperren konfrontiert.

Beschleunigte Verfahren und neue Länderliste

Das Gesetzespaket, welches im Februar vom Bundestag beschlossen und Ende April im Bundesgesetzblatt (BGBl. 2026 I Nr. 111) verkündet wurde, schöpft die europarechtlichen Spielräume restriktiv aus. Durch den neu verankerten § 29b des Asylgesetzes (AsylG) greift ab heute eine erweiterte Liste von Staaten, die als sicher eingestuft werden. Hierzu gehören unter anderem:

  • Ägypten, Bangladesch, Indien, Kolumbien, Marokko, die Türkei und Tunesien.

Asylanträge von Menschen aus diesen Ländern werden ab heute in sogenannten Schnell- und Grenzverfahren bearbeitet. Sie gelten juristisch vorab als „offensichtlich unbegründet“, was die Hürden für einen positiven Bescheid drastisch erhöht.

Arbeitsverbote und Isolierung in Aufnahmezentren

Mit dem heutigen Inkrafttreten greifen für diesen Personenkreis weitreichende Einschränkungen im Alltag. Betroffene unterliegen während des gesamten Verfahrens einem strikten Arbeitsverbot. Zudem wurde die Pflicht, in Erstaufnahmeeinrichtungen zu wohnen, für Menschen aus diesen Herkunftsländern faktisch zeitlich entgrenzt.

Zusätzlich ermöglicht das Gesetz den Bundesländern die Einrichtung sogenannter Sekundärmigrationszentren nach § 44 AsylG. In diesen haftähnlichen Lagern sollen Geflüchtete, die über andere EU-Staaten nach Deutschland eingereist sind oder aus den benannten Staaten stammen, isoliert und für eine beschleunigte Abschiebung greifbar gehalten werden. Wird der Asylantrag im Eilverfahren abgelehnt, folgt bei der Ausreise eine automatische, mehrjährige Einreisesperre für den gesamten Schengen-Raum.

Plenardebatte und Beschlussfassung

Eine detaillierte Zusammenfassung der finalen parlamentarischen Debatte, den Reden der Fraktionen (von der Verteidigung der Reform durch die Bundesregierung bis zur Kritik von Grünen, Linken und Opposition) sowie den Verweisen auf die finalen Beschlussempfehlungen finden Sie hier

Massive Kritik von NGOs und Verbänden

Zivilgesellschaftliche Organisationen reagierten entsetzt auf den heutigen Start der neuen Praxis. In einer aktuellen Stellungnahme  vom 11.06.2026 spricht PRO ASYL von einer „maximalen Härte gegen Geflüchtete“ und einer faktischen Entrechtung. 

GUA-Kritik: Bürokratisches Chaos und europarechtswidrige Arbeitsverbote

Die Fachrechtsexperten der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V. (GGUA) üben in einer aktuellen Analyse massive Kritik an der deutschen Umsetzung und warnen vor einem „kaum noch nachvollziehbaren System unterschiedlicher Rechte und Verbote“. Die Analyse vom 09.06.2026 haben wir hier für Sie verlinkt.

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Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Mit dem Ehrenamtspreis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

Weitere Informationen zum Ehrenamtspreis finden Sie hier.

Nein zur Bezahlkarte: Ratsbeschlüsse aus nordrhein-westfälischen Kommunen

In dieser regelmäßig aktualisierten Übersicht dokumentiert der Flüchtlingsrat NRW, welche Kommunen sich bisher gegen die Einführung einer Bezahlkarte für Schutzsuchende entschieden haben.

Die Übersicht finden Sie hier.

Keine Propaganda auf Kosten von Flüchtlingen - Neue Arbeitsshilfe und Flyer

Als Flüchtlingsrat NRW fördern wir die Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit über die Situation von Flüchtlingen und setzen uns aktiv gegen menschenverachtende Ideologien ein, um Propaganda auf Kosten von Flüchtlingen entgegenzuwirken.

Die Argumentationshilfe gegen Vorurteile finden Sie hier.

Den Flyer können Sie hier runterladen. Gegen die Übernahme der Portokosten ist er zudem kostenlos bei uns bestellbar. 

Broschüre zum Engagement für Flüchtlinge in Landesunterkünften

Der Flüchtlingsrat NRW hat die Broschüre „Ehrenamtlich engagiert – für Schutzsuchende in und um Aufnahmeeinrichtungen des Landes NRW“ aktualisiert (Stand September 2025).

Die Broschüre können Sie hier herunterladen.

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingsbezogene Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand November 2025, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von flüchtlingsbezogenen Projekten und Veranstaltungen, insbesondere zu flüchtlingspolitischen Themen, angefragt werden können.

Mehr dazu

Forum Landesunterbringung

Neues Webforum "Flüchtlinge in Landesaufnahmeeinrichtungen in NRW (WFL.NRW)" jetzt online!
Das Webforum möchte einen Einblick in die Situation von Flüchtlingen in Landesaufnahmeeinrichtungen ermöglichen.

Das Webforum finden Sie hier.

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