| Aktuell, In eigener Sache, Jubiläum 40 Jahre Flüchtlingsrat NRW: Die Jubiläumsfeier am 01.07.2026
Dieses Jahr erreicht der Flüchtlingsrat NRW sein vierzigjähriges Bestehen. Das sind vierzig Jahre Einsatz für die Rechte Schutzsuchender und zahllose geführte politische Debatten, Vernetzungsarbeit, Kampagnen, erstellte Informationsmaterialien, Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Art und Herkunft und nicht zuletzt das Engagement unzähliger Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik einsetzen. Dieses Jubiläum wurde am 1. Juli gemeinsam mit rund 40 Gästinnen im Lore-Agnes-Raum der Zentralbücherei Bochum gefeiert.
Ein herzlicher Dank gilt allen, die diesen Abend mit dem Team des Flüchtlingsrat NRW verbracht haben: langjährigen Wegbegleiterinnen, Mitgliedern, Unterstützerinnen, Vertreterinnen anderer Initiativen und Organisationen sowie allen Interessierten, die den Weg nach Bochum gefunden haben. Die zahlreichen Gespräche, Rückmeldungen und Begegnungen haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Flüchtlingsrat NRW auch nach vierzig Jahren für viele Menschen ist – als Ansprechpartner, als politisches Sprachrohr und als Ort der Vernetzung für alle, die für Flüchtlinge in NRW etwas bewegen wollen.

Vierzig Jahre Geschichte lassen sich kaum in eine Rede fassen
Den ersten inhaltlichen Impuls des Abends übernahm das langjährige Mitglied Michael Gödde. Er blickte auf vier Jahrzehnte Geschichte des Flüchtlingsrats NRW zurück und nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die Entwicklung des Vereins.

Michael Gödde spannte in Form ausgewählter Ereignisse und Episoden den Bogen von den Anfängen des Flüchtlingsrats NRW über politische Auseinandersetzungen bis hin zu zahlreichen Einzelfällen und persönlichen Erlebnissen, die ihn in seiner langjährigen Mitgliedschaft besonders geprägt haben. Immer wieder wurde spürbar, dass hinter den politischen Debatten Menschen stehen, mit individuellen Geschichten, Sorgen und oftmals schwierigen Lebenswegen.
Viele Gästinnen hätten diesem Rückblick gerne noch deutlich länger zugehört. Mehrfach wurde im Anschluss aus dem Publikum geäußert, dass die vielen Erinnerungen und Erfahrungen Lust auf noch mehr gemacht hätten. Vier Jahrzehnte Flüchtlingsratsgeschichte bieten schlicht zu viel Gesprächsstoff, um ihn in einer knappen halben Stunde vollständig erzählen zu können.
Umso mehr freut sich die Geschäftsstelle darüber, den Vortrag im Nachgang den Mitgliedern zur Verfügung stellen zu können. So besteht die Möglichkeit, die vielen Erinnerungen noch einmal in Ruhe nachzulesen und weitere Facetten der Geschichte des Vereins kennenzulernen.
Vierzig Jahre Asylrecht – eine ernüchternde Bilanz
Im zweiten Vortrag des Abends widmete sich Prof. Dr. Markus Kaltenborn, Professor für Öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät und Direktor des Instituts für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik an der Ruhr-Universität Bochum, der Entwicklung des Asylrechts in Deutschland während der vergangenen vier Jahrzehnte.

In seinen Ausführungen zeichnete er die zahlreichen politischen und rechtlichen Veränderungen nach, die das Asylrecht seit den 1980er Jahren geprägt haben. Der Rückblick machte deutlich, dass viele Entwicklungen aus Sicht des Flüchtlingsschutzes Anlass zur Sorge geben. Verschärfungen des Asyl- und Aufenthaltsrechts, gesellschaftliche Debatten und politische Entscheidungen haben die Rahmenbedingungen für Schutzsuchende immer wieder verändert – häufig zu ihren Ungunsten.
Gerade weil der Vortrag die langfristigen Entwicklungen zusammenführte, bot er vielen Zuhörerinnen die Gelegenheit, aktuelle politische Diskussionen und Themen, die die Teilnehmerinnen in der täglichen Arbeit beschäftigen, in einen größeren historischen Zusammenhang einzuordnen. Auch hier lauschten die Gästinnen mit ungeteilter Aufmerksamkeit
Auch dieser Vortrag steht den Mitgliedern im Nachgang zur Verfügung.
Austausch statt fertiger Antworten

Im Anschluss an die beiden Vorträge folgte die Podiumsdiskussion zur Entwicklung der Asylpolitik in den vergangenen vierzig Jahren, insbesondere mit Blick auf das Ehrenamt. Gemeinsam diskutierten Verena Jenter, Mechthild Tecklenborg, Prof. Dr. Markus Kaltenborn und Michael Gödde unter der Moderation von Rainer Becker. Verena Jenter ist Mitglied im Vorstand des Flüchtlingsrat NRW und führte ebenfalls teilweise als Moderatorin durch die Veranstaltung. Mechthild Tecklenborg ist Mitbegründerin des Netzwerkes für Humanität und Bleiberecht im Kreis Steinfurt.
Dabei zeigte sich schnell, dass die schon einst bestehenden Probleme rund um die Asylpolitik im Land NRW nach wie vor aktuelle Relevanz haben. Die Teilnehmerinnen griffen in der Diskussion sowohl die historischen Entwicklungen als auch die gegenwärtigen Herausforderungen auf und machten deutlich, wie eng politische Entscheidungen und ehrenamtliches Engagement miteinander verbunden sind.
Besonders bereichernd waren auch die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum. Viele Gästinnen brachten eigene Erfahrungen aus ihrem langjährigen Engagement ein, stellten Fragen oder ergänzten die Diskussion um persönliche Perspektiven. Dadurch entwickelte sich ein lebendiger Austausch, an dem sich viele Anwesende beteiligten.
Zwischen nachdenklichen Momenten, kritischen Einschätzungen und persönlichen Erinnerungen wurde immer wieder deutlich, wie groß die Wertschätzung für die Arbeit des Flüchtlingsrats NRW ist. Mehrere Teilnehmerinnen betonten, wie wichtig eine unabhängige Stimme für die Rechte geflüchteter Menschen heute nach wie vor sei und dass der Flüchtlingsrat NRW auch künftig eine unverzichtbare Rolle in Nordrhein-Westfalen spiele.
Ein Ort mit besonderer Symbolkraft
Der Lore-Agnes-Raum der Zentralbücherei Bochum stellte einen besonders passenden Rahmen für die Jubiläumsfeier des Flüchtlingsrats NRW dar.
Lore Agnes war Sozialpolitikerin, Frauenrechtlerin und engagierte Demokratin. Sie setzte sich zeitlebens für soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und die Rechte benachteiligter Menschen ein. Werte also, die auch die Arbeit des Flüchtlingsrats NRW seit seiner Gründung prägen. Zugleich steht die Zentralbücherei Bochum als öffentlicher Ort für Bildung, Begegnung und offenen Austausch. Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven kommen hier zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Genau das war auch an diesem Abend spürbar. Der Veranstaltungsort bot nicht nur den räumlichen Rahmen, sondern spiegelte auch den Geist der Veranstaltung wider: offen, demokratisch und dialogorientiert.
Intensive Gespräche bei gutem Essen
Nach dem offiziellen Programm setzte sich der Abend in vielen persönlichen Gesprächen fort. Alte Weggefährtinnen trafen sich wieder, neue Kontakte wurden geknüpft und zahlreiche Diskussionen aus dem Podium wurden in kleineren Runden weitergeführt.
Für das leibliche Wohl sorgte das Restaurant Church aus Essen, das ein vollständig veganes Catering vorbereitet hatte. Die abwechslungsreichen Speisen kamen bei den Gästinnen ausgesprochen gut an und wurden vielfach gelobt.
Und zuletzt: Gemeinsam nach vorne schauen
Vierzig Jahre Flüchtlingsrat NRW sind ein Grund zum Feiern – nicht, weil alle Ziele erreicht wären, sondern weil vier Jahrzehnte beharrliches Engagement gezeigt haben, wie wichtig eine starke zivilgesellschaftliche Stimme für die Rechte geflüchteter Menschen ist. Der Abend war geprägt von Erinnerungen an das Erreichte, von einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte und von dem gemeinsamen Wunsch, sich auch künftig für Menschenrechte, Teilhabe und eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik einzusetzen.
Der Flüchtlingsrat NRW, vertreten durch Vorstand und Geschäftsstelle, bedankt sich herzlich bei allen Mitwirkenden, Helferinnen und Gästinnen, die diesen Abend zu einer gelungenen Jubiläumsveranstaltung gemacht haben. Das Team freut sich darauf, gemeinsam die nächsten Kapitel der Geschichte des Flüchtlingsrats NRW zu schreiben.