| Aktuell, In eigener Sache, Jubiläum Die Geschäftsstelle als Ansprechpartnerin – 40 Jahre Flüchtlingsrat NRW e.V.
Seit 40 Jahren steht der Flüchtlingsrat NRW e.V. für Engagement, Vernetzung und eine klare Stimme für die Rechte von Flüchtlingen. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Geschäftsstelle. Sie ist Knotenpunkt, Anlaufstelle und Motor zugleich. Hier laufen Informationen zusammen, entstehen Impulse für die landesweite Arbeit und von hier aus werden Belange von Initiativen, Ehrenamtlichen, Politik und Flüchtlingen in NRW miteinander verbunden.
Das Konzept des Jubiläumsmonats März lautet „Die Geschäftsstelle als Ansprechpartnerin“ und beschreibt damit treffend die tägliche Praxis: Die Geschäftsstelle ist nicht nur organisatorisches Rückgrat, sondern vor allem ein lebendiger Ort des Austauschs, der Beratung und der Unterstützung. Ihre Arbeit gliedert sich in mehrere zentrale Tätigkeitsfelder, die teilweise eng miteinander verzahnt sind.
Das Team der Geschäftsstelle für die inhaltlich fachliche Arbeit, bestehend unter anderem aus der Geschäftsführerin und vier Referentinnen (mit insges. drei VZÄ), widmet sich der Lobby- und Gremienarbeit, der Vernetzung von flüchtlingssolidarischen Akteurinnen in NRW sowie der Öffentlichkeits- und Medienarbeit. Zusätzlich arbeiten in der Geschäftsstelle eine Mitarbeiterin in der Verwaltung sowie einige geringfügig Beschäftigte, die wesentlich zur Arbeit der Geschäftsstelle beitragen, namentlich in der Erstellung und Betreuung zentraler Publikationen wie unserem Netzheft, der Schnellinfo und dem Newsletter sowie bei der Pflege der Webseite und im Bereich Social Media.
In ihrer interdisziplinären Zusammensetzung bildet die Geschäftsstelle ein Team, das mit unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen daran arbeitet, das Engagement für und mit Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen zu stärken und weiterzuentwickeln. Im Folgenden werden wegen der Vielschichtigkeit der Aufgabenfelder und Tätigkeitsbereiche nur einige Aspekte unserer täglichen Arbeit dargestellt, für die übrigen Arbeitsbereiche, insbesondere die Lobby-, Vernetzungs- und Gremienarbeit sind in dem Jubiläumsjahr 2026 eigene Beiträge geplant.
Ansprechpartnerin für Initiativen und Engagierte
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Begleitung und Unterstützung von Initiativen sowie von Einzelpersonen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Täglich erreichen die Geschäftsstelle Anfragen per Telefon oder E-Mail, von ganz konkreten Einzelfragen bis hin zu komplexen Problemstellungen. Dabei geht es häufig um aufenthaltsrechtliche Perspektiven, Fragen zur Unterbringung oder um den Zugang zu Beratung und rechtlicher Unterstützung. Oft sind die Anliegen so vielschichtig, dass eine reine Auskunft nicht ausreicht. In diesen Fällen vermittelt die Geschäftsstelle gezielt an spezialisierte Beratungsstellen oder Rechtsanwältinnen weiter. Mehr Informationen hierzu finden sich in dem Artikel zur Verweisberatung in der Kategorie „Jubiläum“ auf der Website des Flüchtlingsrats. Diese Aufgabe wird von mehreren Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle wahrgenommen.
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist zudem die aktive Kontaktaufnahme zu ehrenamtlichen Initiativen. Ziel ist es, einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, Bedarfe und Herausforderungen vor Ort zu gewinnen. Diese Rückmeldungen fließen wiederum in die weitere Arbeit ein, etwa in die Planung von Veranstaltungen oder die inhaltliche Schwerpunktsetzung.
Vernetzung des Ehrenamts: Austausch ermöglichen und Engagement stärken
Ein zentrales Tätigkeitsfeld der Geschäftsstelle ist die Vernetzung des Ehrenamts. Zwei Referentinnen arbeiten täglich daran, Kontakt zu den zahlreichen Initiativen und engagierten Einzelpersonen in Nordrhein-Westfalen zu pflegen und den Austausch untereinander zu fördern.
Die Grundlage dieser Arbeit ist eine kontinuierliche Recherche und Bestandsaufnahme: Mehr als 800 Initiativen und Vereine in NRW wurden erfasst und in internen Übersichten dokumentiert sowie weitere Kontakte, bspw. zu Ehrenamtskoordinatorinnen, aufgebaut. Dadurch entsteht ein umfassendes Bild der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit im Land.
Besonderes Augenmerk liegt auf Regionen außerhalb der großen Städte sowie auf dem Engagement rund um Landesaufnahmeeinrichtungen. Gerade dort sind Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote oft weniger vorhanden.
Austauschformate und Vernetzung
Ein wichtiges Instrument der Vernetzungsarbeit sind die jeden Monat angebotenen digitalen Austauschrunden. In moderierten Online-Formaten kommen Ehrenamtliche zusammen, um Erfahrungen zu teilen, Fragen zu diskutieren und voneinander zu lernen. Themen reichen von aufenthaltsrechtlichen Fragen über den Arbeitsmarktzugang bis hin zu konkreten Herausforderungen vor Ort. Diese Formate ermöglichen nicht nur Wissensvermittlung, sondern stärken auch das Gefühl, Teil eines landesweiten Netzwerks zu sein. Gleichzeitig werden „Good Practice“-Beispiele sichtbar gemacht und zur Nachahmung angeregt. Hierzu erhält die Geschäftsstelle auch regelmäßig Meldungen aus den Initiativen selbst.
Darüber hinaus führen die Referentinnen themenspezifische Arbeitsgemeinschaften durch, etwa zum Umgang mit Ausländerbehörden. Hier werden strukturelle Probleme gesammelt, dokumentiert und in Forderungen übersetzt, ein wichtiger Schritt von der Praxis zur politischen Einflussnahme.
Qualifizierung und Wissensvermittlung
Neben der Vernetzung spielt die Qualifizierung von Ehrenamtlichen eine zentrale Rolle. Die Geschäftsstelle entwickelt und organisiert regelmäßig Schulungen und Seminare, die praxisnahes Wissen vermitteln. Das Angebot reicht von Basisseminaren im Asylrecht über Workshops zum traumasensiblen Umgang mit Flüchtlingen bis hin zu Trainings im Umgang mit diskriminierenden Äußerungen.
Diese Veranstaltungen werden sorgfältig vorbereitet: Themen werden anhand aktueller Bedarfe ausgewählt, Referentinnen gesucht und Inhalte abgestimmt. Die Durchführung erfolgt überwiegend digital, um eine landesweite Teilnahme zu ermöglichen.
Informationsarbeit und Materialien
Der Flüchtlingsrat NRW will relevantes Wissen bündeln und Ehrenamtlichen in fundierter und leicht verständlicher Form aufbereitet an die Hand geben. Hierzu aktualisiert die Geschäftsstelle regelmäßig bestehende Broschüren und Handreichungen und erstellt neue Materialien. Beispiele hierfür sind Publikationen zu asyl- und aufenthaltsrechtlichen Zusammenhängen, etwa zum Umgang mit Ablehnungsbescheiden, oder zu Rahmenbedingungen des ehrenamtlichen Engagements, wie die Übersicht zu Fördermöglichkeiten, die von den Mitarbeitenden kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Öffentlichkeitsarbeit
Ein weiteres zentrales Tätigkeitsfeld ist die Öffentlichkeitsarbeit, um Anliegen von Flüchtlingen und die Perspektiven der Initiativen in die gesellschaftliche und politische Debatte einzubringen. Dazu gehört die Erstellung und Veröffentlichung von Pressemitteilungen zu aktuellen Themen, etwa zu flüchtlingspolitischen Entwicklungen oder internationalen Gedenktagen.
Auch weitergehende Aktivitäten gehören dazu: Stellungnahmen, Appelle an politische Entscheidungsträgerinnen oder die Koordination von Petitionen. Ziel ist es, auf Missstände aufmerksam zu machen und politische Veränderungen anzustoßen. Ein Beispiel ist die intensive Auseinandersetzung mit der Einführung der Bezahlkarte und die Dokumentation kommunaler Entscheidungen dazu. Ebenso werden Forderungspapiere und Übersichten erstellt, die öffentlich zugänglich sind und zur Meinungsbildung beitragen.
Fundraising und Spenden
Es ist dem Flüchtlingsrat NRW e.V. kürzlich gelungen, eine eigene Stelle für den Bereich Fundraising, gepaart mit der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit, zu besetzen, die zusätzlich zu den Fördermitteln, die er vom Land und von Pro Asyl erhält, weitere Spenden und Mittel, etwa durch die Gewinnung neuer Mitglieder, generieren soll. Dafür werden u.a. Social-Media-Aktivitäten koordiniert und ausgewertet, um die Reichweite zu erhöhen und unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Denn damit diese Arbeit dauerhaft möglich ist, braucht es eine solide finanzielle Grundlage. Diese Aufgabe ist wichtig, um die Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit des Vereins zu sichern und soll zu einer eigenständigen finanziellen Basis verhelfen. Auch die Organisation von Veranstaltungen wie dem Ehrenamtspreis oder der Jubiläumsfeier fällt in diesen Bereich. Sie würdigen das Engagement vor Ort und tragen gleichzeitig zur Sichtbarkeit des Vereins bei.
Mitgliederarbeit und Vereinsstruktur
Die Geschäftsstelle ist zuletzt auch zentrale Ansprechpartnerin für die Mitglieder des Vereins. Sie organisiert Mitgliederversammlungen, bereitet Inhalte vor und sorgt für den kontinuierlichen Austausch. Darüber hinaus werden Mitglieder über aktuelle Entwicklungen informiert, etwa durch regelmäßige Newsletter und eine monatliche Umfrage, deren erhobene Ergebnisse auf unserer Website veröffentlicht werden. Auch individuelle Anfragen werden beantwortet und Kontakte vermittelt.
Die Zusammenarbeit ist geprägt von engem Austausch, gegenseitiger Unterstützung und einer klaren gemeinsamen Zielsetzung: die Rechte von Flüchtlingen zu stärken und das Engagement in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen. Die Geschäftsstelle des Flüchtlingsrats NRW ist weit mehr als eine organisatorische Einheit. Sie ist Ansprechpartnerin, Herzstück, Impulsgeberin und Stimme zugleich. Zum 40-jährigen Jubiläum wird deutlich: Die Stärke des Flüchtlingsrats NRW liegt nicht nur in seinen Positionen, seinem Vorstand und den vielen engagierten Mitgliedern und Sympathisantinnen, sondern vor allem auch in der kontinuierlichen, engagierten Arbeit seiner Geschäftsstelle.

