| Aktuell, In eigener Sache 40 Jahre Flüchtlingsrat NRW e.V. - Unsere Geschichte
Im zweiten Monat unseres Jubiläumsjahres blicken wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern zurück - auf unsere Entstehung, vergangene Aktionen und Erfolge.
In der Gründungserklärung des Flüchtlingsrats NRW e.V. heißt es „Das Grundrecht auf Asyl ist unser aller Menschenrecht. Seine Einschränkung bedroht nicht nur die Flüchtlinge, sondern stellt eine Vorstufe zur Einschränkung unserer bürgerlichen Freiheiten dar. Der Umgang mit Flüchtlingen ist einer der Prüfsteine für das Funktionieren der Demokratie.“ Diesem Leitbild folgen wir noch heute. Zur Feier des 40-jährigen Bestehens blicken wir auf die Geschichte des Flüchtlingsrats NRW und ausgewählte Errungenschaften zurück.
Weitere Informationen, insbesondere zu unserer Organisationsstruktur und unseren gesellschaftlichen Zielen, findet Ihr hier in unserem Selbstverständnis.
Entstanden ist der Flüchtlingsrat NRW im Dezember 1986 aus dem Zusammenschluss engagierter Initiativen, Beratungsstellen und Einzelpersonen, die v. a. angesichts zunehmender Verschärfungen im Asyl- und Aufenthaltsrecht eine landesweite Koordinierung zivilgesellschaftlicher Flüchtlingsarbeit für notwendig hielten.
In der Anfangszeit unserer Arbeit standen der Austausch im Koordinationskreis und der Versand regelmäßiger Rundbriefe im Vordergrund. Aus den Rundbriefen, mit denen wir alle zwei Monate über aktuelle Rechtsprechung und Erlasse, über (flüchtlings-)politische Neuigkeiten und über unsere Arbeit informierten, ist mit der Zeit unsere noch heute bestehende und monatlich erscheinende Schnellinfo hervorgegangen.
Bereits seit den 1980er-Jahren äußern wir als Flüchtlingsrat NRW uns im Rahmen von Stellungnahmen, offenen Briefen und Presseerklärungen zu Gesetzesvorhaben und politischen Entwicklungen, z. B. zur Reform des Ausländergesetzes 1989/1990. Insbesondere ab den 1990er-Jahren hat sich der Flüchtlingsrat NRW auch wiederholt gegen Abschiebungen in Kriegs- und Krisengebiete ausgesprochen und intensiv mit den Bedingungen der Abschiebungshaft auseinandergesetzt. Unser im Jahr 1994 veröffentlichtes Sonderthemenheft (Rundbrief 5/6 1994) zur Praxis der Abschiebungshaft in NRW stieß u. a. in der WAZ auf mediales Echo.
Wir sind seit 1996 ständiges Mitglied in der von uns mitinitiierten Härtefallkommission (HFK) des Landes NRW. Die HFK NRW war in Deutschland das erste Landesgremium ihrer Art; bundesgesetzlich verankert sind die HFKen erst seit Inkrafttreten des Aufenthaltsgesetzes im Jahr 2005. Zur Jahrtausendwende gehörten wir u. a. mit der Freien Wohlfahrtspflege NRW und den nordrhein-westfälischen Landeskirchen zu den Initiatorinnen des Forums Flughäfen in NRW (FFiNW), mit dem die Transparenz des Abschiebungsvollzugs maßgeblich verbessert werden konnte.
Seit unserer Gründung zählen wir zu den Organisatorinnen des Asylpolitischen Forums, einer jährlich stattfindenden Konferenz diverser Akteurinnen der Flüchtlingssolidaritätsarbeit, in dessen Rahmen 1986 der Grundstein für die Entstehung des Flüchtlingsrats NRW gelegt worden war. Auch auf weiteren von uns organisierten Fachtagungen, wie der 1996 gemeinsam mit der Ev. Akademie Mülheim an der Ruhr und der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland durchgeführten Tagung zum Thema „Frauen auf der Flucht“, haben wir uns immer wieder intensiv mit ausgewählten Themen beschäftigt.
Zum 01.01.2003 verschmolz der Flüchtlingsrat NRW in seiner „alten“ Form mit dem ein paar Jahre zuvor gegründeten und seither als eine parallele Dachorganisation auf Landesebene existierenden Arbeitskreis Asyl NRW. Nachdem die Geschäftsstelle aufgrund der Streichung von Landesfördermitteln zeitweise nur minimal besetzt war, konnten durch europäische und später wieder Landesfördermittel neue Stellen geschaffen und ab 2016 v. a. die Bereiche Vernetzung und Unterstützung des Ehrenamts und Öffentlichkeitsarbeit weiter ausgebaut werden. Seit ein paar Jahren müssen wir wegen steigender Kosten bei gleichbleibender Förderung jedoch wieder stetig kürzen.
Auf der Landesebene engagieren wir uns, teilweise zusammen mit weiteren zivilgesellschaftlichen Partnerinnen, für die Rechte von Schutzsuchenden. Als Teil der Bundesarbeitsgemeinschaft PRO ASYL wirken wir zudem an großangelegten bundesweiten Aktionen mit, wie der Bleiberechtskampagne #RechtAufZukunft im Jahr 2022.
Zusammenfassend dürfen wir stolz auf eine Geschichte zurückblicken, die geprägt ist von unermüdlichem Engagement und von kleinen bis größeren Erfolgen, die nicht selten den Weg für wichtige Veränderungen geebnet haben. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern wollen wir dieses Erbe auch in Zukunft fortführen.

