| Unterbringung und Wohnen in den Kommunen Pilotstudie zur Integration Geflüchteter in WG's

Die Initiative "Zusammenleben Willkommen" hat eine Pilotstudie zur Anzahl von Geflüchteten in Sammelunterkünften und zu  Potenzialen und rechtlichen Möglichkeiten der Integration Geflüchteter in WG's in Auftrag gegeben. Die Studie ist im Juni 2020 erschienen.

Kurzzusammenfassung:

„Das folgende Dokument enthält die Ergebnisse einer Recherche, die im Auftrag für das
Projekt ​ Zusammenleben Willkommen ​ des Vereins ​ Mensch Mensch Mensch e.V​. durchgeführt
wurde. Das Projekt ​ Zusammenleben Willkommen ​ vermittelt geflüchtete Menschen in
Wohngemeinschaften, in denen Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und
Aufenthaltsstatus zusammenleben. Damit soll eine Alternative zur zentralen Unterbringung
Geflüchteter in Massenunterkünften aufgezeigt und ein Beitrag zur Entstehung einer offenen
Gesellschaft geleistet werden​1​.

Die der Untersuchung zugrundeliegende Intention war die einer Zielgruppenbestimmung. Es
sollte ein Beitrag zu der Frage geleistet werden, wie groß der Bedarf an einem Angebot wie
dem von ZW ist und wer dieses nutzen würde und dürfte. Dafür sollten u.a. die Gesamtzahl
der bundesweit in Sammelunterkünften lebenden Personen, die Anzahl der
Auszugsberechtigten, sowie das Interesse an einer WG erhoben werden. Im Laufe der
Recherche zeigte sich schnell, dass die für die Beantwortung der anfänglichen Leitfragen
nötigen Daten aktuell nicht erhebbar bzw. zugänglich sind, denn es liegen keine einheitlichen,
bundesweiten Zahlen dazu vor, wie viele Menschen bundesweit in Sammelunterkünften
untergebracht sind. Dort, wo Zahlen zur Unterbringungssituation vorhanden sind, sind diese
wiederum nicht oder mit nur wenigen demographischen Angaben verbunden, die
Rückschlüsse auf ein potentielles Interesse an einem WG-Einzug ermöglichen würden. Dazu
kommt, dass aufgrund der föderalen Struktur der BRD weder einheitliche Begriffsdefinitionen
vorliegen, noch übergreifende Qualitätsstandards für die Unterkünfte existieren. In der
folgenden Darstellung wird sich daher darauf konzentriert, die aktuelle rechtliche und reale
Ausgangslage zu klären und sich dann der Frage nach den bundesweit in
Sammelunterkünften lebenden Personen anzunähern. Dies geschieht, indem 1. ein Einblick
in die aktuelle Forschung zur Unterbringung Geflüchteter gegeben und die vorhandene
Datenlage gegeben wird (Kapitel 2); 2. die rechtlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich der
föderalen Ebenen erhellt sowie zentrale begriffliche Differenzierungen mit Blick auf
Statusunterschiede Geflüchteter und Unterbringungsformen erläutert werden (Kapitel 3); die
vorhandenen bundesweiten Daten innerhalb dieser Rahmenbedingungen kritisch
kontextualisiert und durch die Untersuchung der drei lokalen Fallbeispiele Berlin, Osnabrück
und Leipzig ergänzt (Kapitel 4) und anschließend in der Gesamtschau (Kapitel 5)
zusammengeführt werden.

Als zentrale Ergebnisse können festgehalten werden:
● Dass unterbringende Kommunen und Städte große eigene Spielräume zur Erhöhung
der Quote der dezentralen Unterbringung haben, und die Unterbringungsart stark von
Faktoren wie einem regulierten Wohnungsmarkt und stringentem Verwaltungs-
handeln abhängt,
● dass Ende 2018 mindestens 214.699 Empfänger*innen von Asylbewerber*innen-
leistungen in Sammelunterkünften lebten;
● dass die damit einhergehende Quote dezentraler Unterbringung von 48% geringer ist
als die 2013er Quote von 49%. Auch wenn der Unterschied zunächst gering erscheint,
zeigt sich insbesondere mit Blick auf die gestiegenen absoluten Zahlen unter-
1 ​ zusammenleben-willkommen.de/ueber-uns
5/50gebrachter Geflüchteter, dass im Rahmen der Migrationsereignisse von 2015/2016
ein überproportionaler Aufbau von Kapazitäten im Bereich der Sammelunterkünfte
stattgefunden hat;
● dass sich die Gesamtzahl von in Sammelunterkünften untergebrachten Empfänger-
*innen von Asylbewerber*innenleistungen von 492.144 Personen im Jahr 2016 auf
214.699 Personen auf den ersten Blick deutlich verringert hat, was jedoch nicht
notwendigerweise mit einem Rückgang der Gesamtzahl untergebrachter Personen
einhergeht, sondern vermutlich mit der Erhöhung der Dunkelzahl der nicht bundesweit
erhobenen, in Sammelunterkünften untergebrachten statusgewandelten Geflüchteten
einhergeht;
● dass in allen drei untersuchten Fallbeispielen trotz einer auf frühzeitigen Wohnungs-
bezug zielenden Unterbringungspolitik den untergebrachten Empfänger*innen von
Asylbewerber*innenleistungen jeweils in Leipzig 0,5-mal so viele, in Osnabrück
1,9-mal so viele und in Berlin 2,85-mal so viele statusgewandelte Personen
gegenüberstanden
● und dass daher selbst bei einer vorsichtigen Schätzung davon ausgegangen werden
kann, dass Ende 2018 mindestens 334.930 Personen bundesweit in Sammel-
unterkünften lebten.

Grundsätzlich zeigt die Untersuchung, dass es sich bei statusgewandelten Geflüchteten um
einen relevanten, aber unterbeleuchteten Anteil der in Sammelunterkünften lebenden
Personen handelt. Aktuell ist noch davon auszugehen, dass in Deutschland mehrere
Hunderttausend Personen aufgrund restriktiver rechtlicher Rahmenbedingungen und
angespannter Wohnungsmärkte vom Bezug einer eigenen Wohnung und damit vom Führen
eines selbstbestimmten Lebens ausgeschlossen sind."

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Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Mit dem Ehrenamtspreis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

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Forum Landesunterbringung


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Keine Propaganda auf Kosten von Flüchtlingen! Argumentationshilfen gegen Vorurteile

Der Flüchtlingsrat NRW e.V. stellt Argumentationshilfen zur Entkräftung von Vorurteilen bereit. Neben dem Flyer "Flüchtlinge sind an allem schuld!" (Stand Juli 2021) haben wir zusätzlich eine ausführlichere Argumentationshilfe zur Entkräftung von Vorurteilen (Stand Juli 2021) erstellt.

Die Argumentationshilfen finden Sie hier.

Broschüre zum Engagement für Flüchtlinge in Landesunterkünften

Der Flüchtlingsrat NRW hat die Broschüre „Ehrenamtlich engagiert – für Schutzsuchende in und um Aufnahmeeinrichtungen des Landes NRW“ veröffentlicht (Stand Januar 2020).

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Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingspolitische Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand Oktober 2021, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von Projekten und Veranstaltungen zu flüchtlingspolitischen Themen angefragt werden können.

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