| Seenotrettung Private Seenotretter im Mittelmeer weisen Kritik an ihrer Hilfe scharf zurück

In diesem Jahr sind 110.950 Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflohen (Stand: 23.07.2017). Im Vorjahreszeitraum waren es noch 232.000 Flüchtlinge. PRO ASYL teilte am 25.07.2017 mit, dass seit Januar 2017 bis zum 21.07.2017 2.365 Menschen den gefährlichen Fluchtweg über das Meer mit ihrem Leben bezahlt hätten; im ersten Halbjahr 2016 seien 2.960 Menschen bei Bootsunglücken ertrunken oder gälten als vermisst. Die Zahl der Unglücke bleibt also trotz des Rückgangs der Flüchtlingszahlen hoch, da immer mehr Menschen gezwungen sind, noch gefährlichere Routen zu nehmen. In einem Interview vom 27.07.2017 mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) berichteten Welf Seyer und Ruben Neugebauer von der Sea-Watch über ihre Rettungsaktionen im Mittelmeer. Im Jahr 2017 wurden allein dank Sea-Watch 5.000 Menschen aus dem Meer gerettet und in sichere Häfen gebracht. Neben Sea-Watch sind auch andere Organisationen auf dem Mittelmeer unterwegs, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten, z. B. Jugend rettet, Ärzte ohne Grenzen oder SOS Mediterranee. 

In den letzten Wochen wurde vermehrt Druck auf die private Seenotrettung ausgeübt. Der italienische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro und der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière unterstellten den privaten Seenotretterinnen, dass sie mit kriminellen Schleuserinnen zusammenarbeiteten und ihre Position im Mittelmeer verschleierten, indem sie Ortungsgeräte ausschalteten. Diese Vorwürfe wiesen Neugebauer und Seyer scharf zurück. Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, erklärte in einer Pressemitteilung vom 18.07.2017 zu den Vorwürfen: „Es handelt sich hier um eine Scheindebatte, die unglaublich bitter ist, denn sie geht am eigentlichen Problem völlig vorbei und lenkt vom Versagen der europäischen Staaten bei der Seenotrettung ab.“ In einer ausführlichen Reportage vom 19.07.2017 wertete ZEIT ONLINE Positionsdaten privater Seenotretterinnen aus. Die Auswertung ergab, dass diese sich an das Seerecht halten. PRO ASYL kritisiert, dass sich die EU der Verantwortung für die Seenotrettung im Mittelmeer entziehe. Die privaten Organisationen leisteten knapp 40 Prozent aller Rettungsmaßnahmen auf dem Mittelmeer. „Anstatt ihnen [den privaten Seenotretterinnen] zu helfen und endlich einen robusten, flächendeckenden EU- Seenotrettungseinsatz zu organisieren, werden die humanitären Seenotrettungsorganisationen seit Monaten von Rechtsradikalen, dem österreichischen Außenminister, den deutschen und österreichischen Innenministern und dem Frontex-Chef und anderen attackiert“, so PRO ASYL.

PRO ASYL: Krise des Flüchtlingsschutzes in Europa (25.07.2017)
Norddeutscher Rundfunk: Interview „Die 'Sea-Watch 3' ist unsere Antwort“ (27.07.2017)
Ärzte ohne Grenzen: Seenotrettung im Mittelmeer: Ärzte ohne Grenzen weist Vorwürfe als bittere Scheindebatte zurück (18.07.2017)
ZEIT ONLINE: Seenotrettung im Mittelmeer. Weniger Helfer bedeuten mehr Tote (19.07.2017)

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Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Mit dem Ehrenamtspreis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

Weitere Informationen zum Ehrenamtspreis finden Sie hier.

Forum Landesunterbringung


Neues Webforum "Flüchtlinge in Landesaufnahmeeinrichtungen in NRW (WFL.NRW)" jetzt online!
Das Webforum möchte einen Einblick in die Situation von Flüchtlingen in Landesaufnahmeeinrichtungen ermöglichen.

Das Webforum finden Sie hier.

Keine Propaganda auf Kosten von Flüchtlingen! Argumentationshilfen gegen Vorurteile

Der Flüchtlingsrat NRW e.V. stellt Argumentationshilfen zur Entkräftung von Vorurteilen bereit. Neben dem Flyer "Flüchtlinge sind an allem schuld!" (Stand Juli 2021) haben wir zusätzlich eine ausführlichere Argumentationshilfe zur Entkräftung von Vorurteilen (Stand September 2022) erstellt.

Die Argumentationshilfen finden Sie hier.

Broschüre zum Engagement für Flüchtlinge in Landesunterkünften

Der Flüchtlingsrat NRW hat die Broschüre „Ehrenamtlich engagiert – für Schutzsuchende in und um Aufnahmeeinrichtungen des Landes NRW“ aktualisiert (Stand Dezember 2021).

Die Broschüre können Sie hier herunterladen.

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingspolitische Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand Juli 2022, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von Projekten und Veranstaltungen zu flüchtlingspolitischen Themen angefragt werden können.

Mehr dazu

Flüchtlingsunterkünfte in NRW

Der Flüchtlingsrat NRW veröffentlichte seine Broschüre mit den Ergebnissen der Fragebogenerhebung aus dem Frühjahr 2021 zur Lebenssituation in den kommunalen Flüchtlingsunterkünften Nordrhein-Westfalens (Stand: März 2022).

Die Broschüre können Sie hier herunterladen.

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