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| Modelle des Schulzugangs für Flüchtlingskinder in NRW (Erlasslage)

Grundsätzlich werden zwei Modelle für den Schulzugang von Flüchtlingskindern praktiziert: die Beschulung in Regelklassen von Beginn an oder eine Beschulung zunächst in Vorbereitungsklassen, in denen der Schwerpunkt auf dem Erwerb deutscher Sprachkenntnisse liegt. Die Ausgestaltung ist in NRW in den letzten Jahren verändert worden. Im Folgenden wird die Situation für allgemeinbildendende Schulen dargestellt.

Möglichst frühzeitige Beschulung in Regelklassen

Nach einem Erlass des Schulministeriums NRW von 2009 sollten Kinder, die zum ersten Mal eine deutsche Schule besuchen, möglichst schnell in Regelklassen aufgenommen werden. Wenn die Sprachkenntnisse der Kinder für die Teilnahme am Regelunterricht nicht ausreichten, konnten Vorbereitungsklassen eingerichtet werden. 

In einem Interview vom 03.03.2016 spricht Ralph Kuhn, Leiter der Gesamtschule Rodenkirchen, über Vorbereitungsklassen und Integration von Kindern mit Fluchterfahrung in Schulen. 

Am 28.06.2016 veröffentlichte das Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW einen neuen Erlass. Darin wurde die Möglichkeit der Einrichtung von Vorbereitungsklassen begrifflich nicht mehr erwähnt, sondern es heißt: „Alle neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler sind vom Zeitpunkt der Aufnahme an Schülerinnen und Schüler der aufnehmenden Schule. Sie werden dort in der Regel in einer Klasse […] unterrichtet (Regelklasse).“ „Die Förderung in der deutschen Sprache in äußerer Differenzierung erfolgt in einer eigenen Lerngruppe (Sprachfördergruppe), die auch jahrgangsübergreifend gebildet werden kann.“ „Wenn eine Aufnahme der Schülerinnen und Schüler in eine Regelklasse […] nicht möglich ist, kann die Schulaufsichtsbehörde zeitlich befristet an einer Schule Klassen zur vorübergehenden Beschulung einrichten.“

Dieser Erlass löste viel Kritik aus. Während die Ministerin Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) versicherte, dass sich nur die Namen ändern würden, sahen Opposition und Lehrergewerkschaften in dem Erlass den Versuch, Vorbereitungsklassen zu streichen. Weitere Informationen zur Diskussion finden Sie in diesem Artikel des Bonner Generalanzeigers vom 15.07.2016.

Kein Vorrang der Beschulung in Regelklassen mehr

Das in der aktuellen Landesregierung unter Yvonne Gebauer (FDP) geführte Ministerium für Schule und Bildung NRW hat am 15.10.2018 einen neuen Erlass herausgegeben. In dem neuesten Erlass wird kein Vorrang des Besuchs einer Regelklasse mehr ausgewiesen. Es heißt dort „Die Organisationsform der Differenzierung orientiert sich am Konzept der Schule und an den Deutschkenntnissen der Schülerinnen und Schüler.“ „Vor der Zuordnung zu einem Bildungsgang erhalten neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler Deutschförderung an der von ihnen besuchten Schule in einer der drei folgenden Organisationsformen“, 1. Eigene Lerngruppen, 2. Teilweise Deutschförderung in eigener Lerngruppe, teilweise Besuch der Regelklasse, 3. Beschulung in der Regelklasse und ggf. zusätzliche Deutschförderung.

Zuvor hatte die schwarz-gelbe Landesregierung noch geplant, der Einrichtung von Vorbereitungsklassen einen Vorrang einzuräumen. Dies wurde im Vorfeld kritisch gesehen. 

In der Zeitschrift nds der GEW schreibt unsere Geschäftsführerin Birgit Naujoks (3-2018): „Mehr und mehr erfüllen Vorbereitungsklassen nicht den Zweck, neu zugewanderte Schüler*innen fit für den Unterricht in Regelklassen zu machen, sondern werden zu „Auffangklassen“, die den Schüler*innen einen Übergang in eine Regelklasse in einer für sie adäquaten Schulform nicht ermöglichen. […] Die Eingliederung neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher in Schulen sollte auf deren Bedarfe und Bedürfnisse ausgerichtet sein. […] Statt einheitliche Maßgaben aufzustellen, sollte Raum für Diversität bestehen, damit Schulen den Weg beschreiten können, der vor Ort am meisten Erfolg verspricht.“ Den gesamten Artikel finden Sie hier.

Dafür müssen aber in jedem Fall ausreichend – unter anderem personelle – Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden.

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Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Der Flüchtlingsrat NRW verlieh den Ehrenamtspreis erstmals 2016 anlässlich seines dreißigjährigen Bestehens. Mit diesem Preis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

Weitere Informationen zum Ehrenamtspreis finden Sie hier.

#NichtMeineLager

PRO ASYL und die landesweiten Flüchtlingsräte warnen vor Ausgrenzung und Isolation von Geflüchteten in Lagern, AnkER-Zentren und anderen Orten der Stigmatisierung und Entwürdigung.

Zum Tag des Flüchtlings 2018 startete deswegen die Kampagne #NichtMeineLager.
Die Broschüre zu der Kampagne finden Sie hier.

(Aktualisierter) Flyer zur Entkräftung von Vorurteilen erschienen!

Der Flyer "Flüchtlinge sind an allem schuld!"  kann zum Jahresbeginn 2019 unter initiativen.at.frnrw.de bestellt werden.
Weitere Informationen zu dem Flyer finden Sie hier.


100 Jahre unschuldig in Haft!

„100 Jahre Abschiebehaft” richtet sich an alle, die sich für Abschiebehaftgefangene einsetzen (wollen) und von einer Gesellschaft ohne Abschiebehaft träumen. Bisher sind bereits zwei Veranstaltungen geplant: 

  • 10.-12.05.2019: Dezentrale Aktionstage vor allen Abschiebegefängnissen
  • 31.08.2019: Großdemo in Büren und Paderborn (Infos hier)

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingspolitische Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand April 2018, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von Projekten und Veranstaltungen zu flüchtlingspolitischen Themen angefragt werden können.
Mehr dazu

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