| Herausforderungen beim Bildungszugang von Flüchtlingskindern in NRW

Längerer Aufenthalt in der Landesaufnahme

Schulpflicht besteht für Kinder unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. In NRW greift die Schulpflicht für Kinder von Asylsuchenden jedoch erst nach der Zuweisung in eine Kommune. Während der Zeit in der Landesaufnahme haben die dort lebenden Kinder lediglich ein Schulbesuchsrecht, das in der Praxis jedoch lediglich in Einzelfällen zu einem Schulplatz in einer örtlichen Schule verhilft. Auch in den Landesaufnahmeeinrichtungen findet keine Beschulung statt. Sofern dort überhaupt Bildungsangebote vorgehalten werden, sind diese in keiner Weise mit einem regulären Schulbesuch vergleichbar. Beispiele von Aufnahmeeinrichtungen, in denen die Anmeldung von Kindern in einer örtlichen Schule gelungen ist, finden Sie hier. 

Seit die Aufenthaltszeiten in der Landesaufnahme schrittweise ausgeweitet worden sind (s. Unterbringung auf Landesebene), wird hier zunehmend das elementare Recht auf Bildung verletzt. Einigen Kindern und Jugendlichen wird der Schulbesuch während des gesamten Aufenthalts in NRW verwehrt. Da die Kinder und Jugendlichen oft aufgrund einer längeren Flucht und/oder der Situation im Herkunftsland auch vor der Ankunft in NRW bereits seit längerem oder noch nie eine Schule besucht haben, entstehen somit immer größere Lücken in den Bildungsbiografien. Dadurch wird zudem die Integration in Regelschulen zukünftig eine immer größere Herausforderung werden. 

Die Landesregierung plant mit Blick auf die längere Verweildauer eine Beschulung in den Landesaufnahmeeinrichtungen. Diese wird jedoch nicht mit einem Regelschulbesuch vergleichbar sein und kann diesen nicht dauerhaft ersetzen. Als Flüchtlingsrat NRW fordern wir, dass alle Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter ihr Recht auf Bildung von Beginn an in Regelschulen verwirklichen können sollten.

Nähere Informationen zur Problematik des verlängerten Aufenthalts und der fehlenden Schulpflicht in den Aufnahmeeinrichtungen erhalten Sie hier. Folgend blicken wir auf die Situation auf kommunaler Ebene.

Ausreichend Schulplätze und qualifiziertes Personal

Als in den Jahren um 2015 verhältnismäßig viele Flüchtlinge in Deutschland ankamen, waren die Aufnahmesysteme mit der Aufnahme und Versorgung der Menschen überfordert. In dieser Zeit kamen sowohl alleinreisende Flüchtlinge als auch Flüchtlinge im Familienverbund oft bereits nach wenigen Tagen oder Wochen in eine Kommune. Auf einen Schulbesuch mussten die Kinder und Jugendlichen oft dennoch monatelang warten, da es u. a. an Schulplätzen, Räumlichkeiten und Materialien mangelte. 

In vielen Kommunen NRWs – vor allem in großen Städten – hatten selbst Anfang 2017 noch viele Flüchtlingskinder keinen Schulplatz bekommen. Dies zeigen die zwei folgenden Beispiele:

In Bochum konnten im März 2017 knapp 200 Kinder im schulpflichtigen Alter nicht beschult werden. Hier finden Sie einen offenen Brief, der Schulplätze für alle Kinder im schulpflichtigen Alter fordert. 

In Köln warteten im Januar 2017 170 neu zugewanderte Kinder und Jugendliche im Bereich der Sekundarstufe I auf einen Schulplatz. Die Mitteilung der Stadt Köln zur Situation der Beschulung neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher vom 20.01.2017 finden Sie hier.

Auch in Duisburg sah man angesichts der steigenden Flüchtlings- und Zuwanderinnenzahlen die Schaffung weiterer Platzkapazitäten an allen Schulformen zum Schuljahr 2017/2018 als erforderlich an. Die Zahlen dazu finden Sie in der Mitteilung der Stadt vom 23.01.2017.

In den vergangenen Jahren fehlte es nicht nur an Schulplätzen, sondern auch an Kapazitäten der Gesundheitsämter und der Kommunalen Integrationszentren. Während die Gesundheitsämter für die amtsärztliche Untersuchung sowohl vor der Einschulung als auch von „Seiteneinsteigerinnen“ zuständig sind, koordinieren die Kommunalen Integrationszentren in NRW die Integration von neu zugewanderten Kindern in die Regelschulen.

Wie genau und unter Beteiligung welcher Stellen der Schulzugang funktioniert, wird in diesem Video der Kölner Initiative „Schulplätze für Alle“ vom 29.01.2017 anschaulich erklärt. Abweichungen vom dargestellten Ablauf gegenüber anderen Kommunen sind möglich.

Zudem herrschte ein Mangel an Lehrerinnen und weiterem pädagogischen Personal im Schulbereich. Da in NRW bereits 2009 Deutsch als Zweitsprache in der Lehramtsausbildung verankert worden war, bestanden zumindest in dieser Hinsicht weniger personelle Engpässe als in anderen Bundesländern.

Informationen zu Maßnahmen und Reaktionen der vormaligen Landesregierung im Hinblick auf die Umsetzung des Rechts auf Bildung von Flüchtlingskindern finden Sie hier. 

Der Mangel an Lehrerinnen und pädagogischem Personal ist auch aktuell noch nicht behoben. Vielerorts fehlen Kapazitäten und Möglichkeiten, sich auf die besondere Situation von Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund einzustellen und damit umzugehen.

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Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Der Flüchtlingsrat NRW verlieh den Ehrenamtspreis erstmals 2016 anlässlich seines dreißigjährigen Bestehens. Mit diesem Preis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

Weitere Informationen zum Ehrenamtspreis finden Sie hier.

Forum Landesunterbringung


Neues Webforum "Flüchtlinge in Landesaufnahmeeinrichtungen in NRW (WFL.NRW)" jetzt online!
Das Webforum möchten einen Einblick in die Situation von Flüchtlingen in Landesaufnahmeeinrichtungen ermöglichen.

Das Webforum finden Sie hier.

(Aktualisierter) Flyer zur Entkräftung von Vorurteilen erschienen!

Der Flyer "Flüchtlinge sind an allem schuld!" (Stand April 2019) kann demnächst wieder gegen Erstattung der Portokosten unter initiativen@frnrw.de bestellt werden (Vorbestellungen nehmen wir auch jetzt schon entgegen).

Weitere Informationen zu dem Flyer finden Sie hier.


100 Jahre unschuldig in Haft!

„100 Jahre Abschiebehaft” richtet sich an alle, die sich für Abschiebehaftgefangene einsetzen (wollen) und von einer Gesellschaft ohne Abschiebehaft träumen. Bisher sind bereits zwei Veranstaltungen geplant: 

  • 10.-12.05.2019: Dezentrale Aktionstage vor allen Abschiebegefängnissen
  • 31.08.2019: Großdemo in Büren und Paderborn (Infos hier)

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingspolitische Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand April 2018, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von Projekten und Veranstaltungen zu flüchtlingspolitischen Themen angefragt werden können.
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