| Presseerklärungen des FRNRW Flüchtlingsunterkunft neben Schießstand untragbar!

Pressemitteilung des FR NRW vom 25. August 2014:

Flüchtlingsrat NRW e.V. appelliert an den Stadtrat in Datteln den Standort der  Flüchtlingsunterkunft an der Markfelder Straße endgültig aufzugeben.

Am 27. August wird sich der Rat der Stadt Datteln erneut mit dem geplanten Neubau einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge befassen. Denn nach einer Betriebslaufzeit von 23 Jahren befindet sich die derzeitige Unterkunft an der Markfelder Straße in einem  desolaten Zustand und muss ersetzt werden. Daher soll für etwa 3,5 Mio. Euro eine neue Flüchtlingsunterkunft erbaut werden. Streitpunkt dieses Neubaus ist jedoch der Standort. Die Flüchtlingsunterkunft an der Markfelder Straße befindet sich in unmittelbarer Nähe eines Schießplatzes für Jägerinnen und Jäger, Schützenverbände und Sportschützen aus ganz Nordrhein-Westfalen. Es sollte selbstverständlich sein, dass dieser Standpunkt nicht nur für häufig traumatisierte Flüchtlinge aus Kriegsgebieten ungeeignet ist. Ärzte- und Kirchenvertreter aus Datteln äußerten diese Kritik bereits des Öfteren und in der Folge forderte auch der Stadtrat einen anderen Standort. Die Verwaltung der Stadt Datteln sieht jedoch weiterhin keinen alternativen Standort im gesamten Stadtgebiet und fordert deshalb, die neue Unterkunft unmittelbar neben der alten zu errichten. „Eine Zumutung!“ findet Kirsten Eichler, Vorstandsmitglied des Flüchtlingsrates NRW e.V. „Mit Rücksicht auf die besondere Situation von Flüchtlingen, sollte der Neubau als Chance genutzt werden auch den  untragbaren Standort zu wechseln“.

Mitarbeiter der Stadt Datteln weisen dabei die Kritik zurück und argumentieren, dass sich aus den Krankenakten der Flüchtlinge keine Hinweise auf Retraumatisierungen durch Schießgeräusche ergeben. Zur Verstärkung dieser nicht belegten Darstellung behauptet die Verwaltung dann auch noch, dass die meisten Flüchtlinge ohnehin nicht mehr aus politischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen fliehen würden. „Dies halte ich für eine gewagte These!“, kommentiert Kirsten Eichler. „Derzeit stellen laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge viele Personen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea in Deutschland einen Asylantrag. Bei diesen Personen stehen die politischen und kriegsbedingten Motive ihrer Flucht wohl völlig außer Frage!“

Auch die Abgeschiedenheit des jetzigen Standpunktes wird von lokalen Initiativen kritisiert, da die dort lebenden Asylsuchenden und Geduldeten dadurch systematisch von der Stadtgesellschaft ausgeschlossen werden.

Ausgerechnet von den Linken der Stadt Datteln kam nun auch noch ein gemeinsam mit der FDP-DSP-Fraktion gestellter Antrag die Kosten des Neubaus durch die Modulbauweise zu senken, anstatt in die Massivbauweise zu investieren. „Der Flüchtlingsrat NRW setzt sich insgesamt für die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen ein. Wenn dennoch auf Sammelunterkünfte zurückgegriffen werden muss, ziehen wir jedoch die Massivbauweise vor, da diese meist hochwertiger und beständiger sind“, erläutert Eichler.  

Aktuelle EU-Richtlinien, welche spätestens nach Ablauf einer Frist im Juli 2015 umgesetzt werden müssen und daher bereits jetzt als Orientierung dienen sollten, legen Normen für die Aufnahme von schutzbedürftigen Personen, die internationalen Schutz beantragen, fest. Demnach ist eine Unterkunft, die traumatisierten Menschen aus Kriegsgebieten Ruhe und Sicherheit vermittelt, eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme. Geräusche von einem nachbarschaftlichen Schießstand stehen der Richtlinie definitiv entgegen.

Der Flüchtlingsrat NRW e.V. fordert die politischen Vertreter im Rat der Stadt Datteln auf, einen geeigneten Standort für die Sammelunterkunft in Massivbauweise auszuwählen. Einen Standort, der Flüchtlingen einen Rückzugsort garantiert und sie nicht von der Mehrheitsgesellschaft ausschließt oder sogar ihre Gesundheit gefährdet.

Für eventuelle Rückfragen stehen wir unter der angegebenen Telefonnummer gerne zur Verfügung.

gez. Antonia Kreul, Flüchtlingsrat Nordrhein-Westfalen e.V.

Zurück zu "Presseerklärungen"

Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Der Flüchtlingsrat NRW verlieh den Ehrenamtspreis erstmals 2016 anlässlich seines dreißigjährigen Bestehens. Mit diesem Preis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

Weitere Informationen zum Ehrenamtspreis finden Sie hier.

Forum Landesunterbringung


Neues Webforum "Flüchtlinge in Landesaufnahmeeinrichtungen in NRW (WFL.NRW)" jetzt online!
Das Webforum möchten einen Einblick in die Situation von Flüchtlingen in Landesaufnahmeeinrichtungen ermöglichen.

Das Webforum finden Sie hier.

(Aktualisierter) Flyer zur Entkräftung von Vorurteilen erschienen!

Der Flyer "Flüchtlinge sind an allem schuld!" (Stand April 2019) kann demnächst wieder gegen Erstattung der Portokosten unter initiativen@frnrw.de bestellt werden (Vorbestellungen nehmen wir auch jetzt schon entgegen).

Weitere Informationen zu dem Flyer finden Sie hier.


100 Jahre unschuldig in Haft!

„100 Jahre Abschiebehaft” richtet sich an alle, die sich für Abschiebehaftgefangene einsetzen (wollen) und von einer Gesellschaft ohne Abschiebehaft träumen. Bisher sind bereits zwei Veranstaltungen geplant: 

  • 10.-12.05.2019: Dezentrale Aktionstage vor allen Abschiebegefängnissen
  • 31.08.2019: Großdemo in Büren und Paderborn (Infos hier)

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingspolitische Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand Juni 2019, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von Projekten und Veranstaltungen zu flüchtlingspolitischen Themen angefragt werden können.
Mehr dazu

Folgen Sie dem Flüchtlingsrat

auf facebook und twitter
oder abonnieren Sie unseren RSS-Feed


Gefördert u.a. durch:

Das Projekt Infonetz wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds gefördert.

© Flüchtlingsrat NRW 2019