| Pressemitteilungen Pressemitteilung zum 18.10. zum europäischen Tag gegen Menschenhandel

Anbei finden Sie eine Pressemitteilung von AGISRA e.V. vom 15. Oktober 2020.

Anlässlich des diesjährigen europäischen Tag gegen Menschenhandel am 18.Oktober 2020 möchten wir gemeinsam mit der NRW-Vernetzung der spezialisierten Beratungsstellen für Opfer von Menschenhandel die nachfolgende Pressemitteilung verkünden. Menschenhandel ist eine schwere
Menschenrechtsverletzung! Wir von agisra e.V. fordern, dass Personen die vom Menschenhandel betroffen sind eine unabhängige und unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten! Außerdem fordern wir, dass Betroffene die Möglichkeit bekommen, neue Perspektiven aufzubauen und langfristige Stabilität zu erlangen!  Zugang zu Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, Sprachkursen und zum Arbeitsmarkt sind dafür notwendige Elemente, die auch vor erneuter Ausbeutung schützen!

Pressemitteilung:

„Menschenhandel ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und zeigt sich in vielen erschreckenden Facetten: Sexuelle Ausbeutung, Arbeitsausbeutung, Handel in die Ehe, die Ausnutzung und Nötigung zu strafbaren Handlungen oder erzwungene Betteltätigkeiten. Es ist moderne Sklaverei!“
Zum diesjährigen Europäischen Tag gegen Menschenhandel, dem 18. Oktober, sind sich die acht landesgeförderten Fachberatungsstellen für Opfer von Menschenhandel in NRW darüber einig.

Menschenhandel in NRW

Männer und Frauen, Jungs und Mädchen, und Trans*menschen können vom Menschenhandel betroffen sein, jedoch ist der Frauenanteil bei diesem Verbrechen wesentlich größer. agisra e.V. Köln, Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen* und Flüchtlingsfrauen*, Nachtfalter in Essen, die spezialisierte Fachberatungsstelle der Diakonie Mark Ruhr gGmbH in Hagen, die Dortmunder Mitternachtsmission, das Eine-Welt-Zentrum Herne, die Fachstelle für Opfer von Frauenhandel in der frauenberatungsstelle düsseldorf e.V., NADESCHDA in Herford und Solwodi in Duisburg sind acht spezialisierte Beratungsstellen für Opfer von Menschenhandel. Diese Fachberatungsstellen betreuen jährlich fast 1.000 Frauen und Mädchen, die von Menschenhandel betroffen sind. Betroffene von Menschenhandel sind zum größten Teil Frauen und Mädchen aus Ost- und Südeuropa, Afrika, Asien, Lateinamerika und auch aus Deutschland. Ihre oftmals bereits im Herkunftsland prekäre Situation und der Wunsch nach einem Leben ohne Gewalt und Armut werden von Menschenhändler*innen als Köder benutzt. Einige werden mit falschen Versprechungen auf eine Arbeitsstelle oder Ehe nach Deutschland gelockt. Aufgrund fehlender Kenntnisse über Sprache, Gegebenheiten des jeweiligen Landes sowie auch ihrer eigenen Rechte und oft enormer Einschüchterung durch ihre Peiniger*innen sind diese Frauen und Mädchen besonders vulnerabel, perspektiv- und schutzlos. Ein Entrinnen aus eigener Kraft aus ihrer Situation ist selten möglich.

Menschenhandel mit deutschen Frauen und Mädchen „im Namen der Liebe“

Frauen und Mädchen aus Deutschland sind ebenfalls von Menschenhandel betroffen. Oft sind diese von sogenannten „Loverboys“ rekrutiert. Loverboys bauen zunächst eine emotionale Beziehung mit der Frau oder dem Mädchen auf und gewinnen ihr Vertrauen. Danach wird sie „im Namen der Liebe“ zur Prostitution gezwungen. „Das Problem ist größer als gedacht. Wir brauchen dringend einen bundesweiten Ansatz“, sagt NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach und macht deutlich, dass Aufklärung und Prävention eine staatliche Aufgabe sein muss.

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie

Trotz der Arbeit unserer Fachberatungsstellen in NRW und der Identifizierung hunderter Fälle, verbleibt dennoch eine immens hohe Dunkelziffer. Die COVID 19- Pandemie wirkt sich zudem erschwerend auf die Identifizierung von Betroffenen von Menschenhandel aus. Ohne Identifizierung kann den betroffenen Personen jedoch kein Schutz zuteil kommen. Somit rutschen die Betroffenen durch die Pandemie weiter in die Illegalität und werden zu einem leichten Ziel für Menschenhändler*innen.

Nicht die Täter*innen, sondern die Betroffenen haben Angst vor Strafe

Menschenhandel ist ein äußerst florierendes und risikoarmes Geschäft für die Täter*innen. Auch wenn dieser unter Strafe steht, ist die tatsächliche Strafverfolgung und Verurteilung der Täter*innen mit großen Hürden verbunden, die sich insbesondere zu Lasten der Opfer auswirken. Um die Aussicht auf eine Verurteilung zu erhöhen, fühlen sich die von Menschenhandel Betroffenen unter Druck und werden angehalten, eine Aussage zu machen. Die Täter*innen lassen jedoch nichts unversucht, physischen oder psychischen Druck auf die betroffene Person auszuüben, um sie von einer Aussage abzuhalten. Oft drohen sie, Angehörigen im Heimatland Gewalt anzutun. Daher fordert der bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK): „Betroffene von Menschenhandel sollten das Recht und auch die Möglichkeit haben, sich frei und unabhängig stabilisieren, informieren und entscheiden zu können, welchen Weg sie einschlagen wollen. Sie benötigen vor allem eine Stärkung ihrer Position durch Sicherheit, Rechte, Unterstützung und Perspektiven.“

Die Angst davor, trotz getätigter Aussage zurück ins Herkunftsland zurückkehren zu müssen, wodurch Betroffene erneut in die Fänge der skrupellosen Täter*innen gelangen können, lässt die Frauen oft von einer Aussage absehen. KOK fordert daher: „Eine Abkopplung aufenthaltsrechtlicher Regelungen von einer Mitwirkung im Strafverfahren, also eine unabhängige und unbefristete Aufenthaltserlaubnis, ist daher dringend notwendig. Neben einer unabhängigen und unbefristeten Aufenthaltserlaubnis sollten die Betroffenen zudem die Möglichkeit bekommen, neue Perspektiven aufzubauen und langfristige Stabilität zu erlangen. Zugang zu Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, Sprachkursen und zum Arbeitsmarkt sind dafür notwendige Elemente, die auch vor erneuter Ausbeutung schützen.“

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Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

Mit dem Ehrenamtspreis möchte der Flüchtlingsrat NRW das ehrenamtliche Engagement von in der Flüchtlingshilfe aktiven Initiativen und Einzelpersonen in NRW ehren und diese in ihrer Arbeit stärken.

Weitere Informationen zum Ehrenamtspreis finden Sie hier.

Forum Landesunterbringung


Neues Webforum "Flüchtlinge in Landesaufnahmeeinrichtungen in NRW (WFL.NRW)" jetzt online!
Das Webforum möchten einen Einblick in die Situation von Flüchtlingen in Landesaufnahmeeinrichtungen ermöglichen.

Das Webforum finden Sie hier.

Keine Propaganda auf Kosten von Flüchtlingen! Argumentationshilfen gegen Vorurteile

Der Flüchtlingsrat NRW e.V. stellt Argumentationshilfen zur Entkräftung von Vorurteilen bereit. Neben dem Flyer "Flüchtlinge sind an allem schuld!" (Stand Dezember 2019) haben wir zusätzlich eine ausführlichere Argumentationshilfe zur Entkräftung von Vorurteilen (Stand Juli 2020) erstellt.

Die Argumentationshilfen finden Sie hier.

Neue Broschüre zum Engagement für Flüchtlinge in Landesunterkünften

Der Flüchtlingsrat NRW hat die Broschüre „Ehrenamtlich engagiert – für Schutzsuchende in und um Aufnahmeeinrichtungen des Landes NRW“ veröffentlicht (Stand Januar 2020).

Die Broschüre können Sie hier herunterladen.

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingspolitische Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand April 2020, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von Projekten und Veranstaltungen zu flüchtlingspolitischen Themen angefragt werden können.

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