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| Besonders Schutzbedürftige Study on Female Refugees

Der Abschlussbericht der Studie "Study of Female Refugees - Repräsentative Untersuchung von geflüchteten Frauen in unterschiedlichen Bundesländern in Deutschland" der Charité Berlin liefert überraschende Ergebnisse.
Hintergrund der Studie ist, dass derzeit kaum Studien zu geflüchteten Frauen und ihren speziellen Bedürfnissen, traumatischen Erlebnissen etc. bestehen, die konkret die Fluchtumstände, die Flucht an sich und ihre aktuelle Situation in Deutschland in den Fokus nehmen. Klar ist, dass ein Drittel der Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, Mädchen und Frauen sind, deren Erfahrungen und Bedürfnisse sich konkret von denen der Männer unterscheiden. Daher ist es notwendig, dass geeignete Maßnahmen in Deutschland ins Leben gerufen werden, die die besondere Situation beachten. So erleben Frauen und Mädchen oft geschlechtsspezifische Traumatisierungen, tragen die alleinige Verantwortung für mitreisende Kinder und leiden unter einem traditionellen Rollenverständnis etc.

Innerhalb der Studie wurden 639 geflüchtete Frauen im Alter von 17-69 Jahren, die in Unterkünften in Berlin, Frankfurt am Main, Mainz, Nürnberg und Rostock leben, befragt. Dreiviertel der befragten Frauen sind zwischen 17 und 39 Jahren alt und stammen zu 80 % aus den drei Ländern Syrien, Afghanistan und Irak. Knapp die Hälfte (46 %) spricht Arabisch, nur 18 % gaben an, dass sie zusätzlich Englisch sprechen können (vgl. S. 20-21).
81 % der Befragten gab an, dass sie Kinder haben, wobei 423 (66 %) Frauen berichteten, dass sie mit ihren Kindern in Deutschland leben. "40 Kinder wurden auf der Flucht geboren. Aufgrund der langen Fluchtzeiten haben diese zum Teil zum aktuellen Zeitpunkt bereits ein Alter von 2 bis 3 Jahren. Sechs Frauen berichteten, dass sie Kinder auf der Flucht verloren haben, in einem besonders tragischen Fall sind drei Kinder einer befragten Frau im Meer ertrunken" (S. 22).
Es ist davon auszugehen, dass jede sechste geflüchtete Frau Analphabetin ist (vgl. S. 42). 17 % der Befragten weisen keine Schulbildung auf.
87 % der Frauen haben für ihre Flucht Schlepperdienste genutzt (vgl. ebd.).
 
"Die Ergebnisse zeigen, dass sehr viele der geflüchteten Frauen bereits einmal dem Tod nahe waren, andere Menschen in Todesgefahr erlebt haben oder Familienangehörige oder nahe Freunde durch gewaltsamen Tod verloren haben. Weitere traumatische Erfahrungen kommen hinzu, beispielsweise der Aufenthalt in Kriegsgebieten und der damit verbundene Mangel an Nahrung, Wasser und eines Daches über dem Kopf. Die damit einhergehende Sorge um die Kinder überragt hierbei alle anderen Probleme." (S. 5-7)
"Weniger häufig, aber in signifikanter Ausprägung wurden schwere Traumata wie Gefangenschaft, Folter, Entführungen und sexualisierte Gewalt genannt" (S. 43). Diese Erlebnisse in ihren Heimatländern und auf der Flucht führen bei den Frauen zu wesentlichen psychischen und physischen Beschwerden. So weisen 40 % eine stark ausgeprägte Traurigkeit auf. 52 % verspüren eine starke Neigung zum Weinen, haben Schlafstörungen und Angstgefühle (vgl. S. 43). "Überraschenderweise berichten 5 % der Frauen über stark ausgeprägte Selbstmordgedanken, 8 % über seltenere Selbstmordüberlegungen" (vgl. ebd.).

Auch in Deutschland, besonders in den gemeinschaftlichen Unterkünften, leiden die Frauen weiterhin unter entlichen Problemen. Sie sind nicht nur verschiedenen Diskriminierungen von diversen Seiten ausgesetzt, sondern berichten auch von strukturellen Problemen. Dazu zählen beispielsweise die mangelnde Privatsphäre, bürokratische Hürden, Probleme bei der Sprache, mangelnde finanzielle Mittel etc. (vgl. S. 43). Diese Postmigrationsstressfaktoren verstärken die Vulnerabilität der geflüchteten Frauen.
Auch die hygienischen Verhältnisse werden als eher schlecht eingestuft, wobei oft auch keine gendergemäße Trennung in den Unterkünften besteht (vgl. S. 45). Oftmals fühlen sich die Frauen dementsprechend auch in den Unterkünften in Deutschland nicht sicher. Zusätzlich fehlen ausreichende medinizische Versorgungsmaßnahmen für Opfer von schwerer psychischer, physischer oder sexueller Gewalt, Folter, Vergewaltigung etc.

Die Ergebnisse zeigen einheitlich, dass in Deutschland weiterhin eklatante Missstände bestehen, die der besonderen Vulnerabilität der geflüchteten Frauen mitsamt ihren speziellen Bedürfnissen nicht gerecht werden. So besteht dringender Handlungsbedarf, auch angesichts des im April 2017 erschienenen Gewaltschutzkonzeptes des Landes.


Hier finden Sie die gesamte Studie sowie weitere Informationen.







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