Teilen:

| 3. Beschulungssituation in NRW auf kommunaler Ebene

Auf kommunaler Ebene gilt es andere Probleme in Angriff zu nehmen als auf Landesebene. Alle Kinder mit Fluchtgeschichte, unterliegen in NRW ab Zuweisung in eine Kommune der Schulpflicht. Diese Kinder müssen oft neben dem Lernstoff auch noch die deutsche Sprache lernen. In NRW wird zukünftig versucht, Flüchtlingskinder möglichst schnell in Regelklassen zu integrieren. Bisher besuchten die Kinder, die häufig erst noch Deutsch lernen mussten, vor dem Übergang in die Regelklasse eine Auffang- oder Förderklasse. Zukünftig werden diese die nun zukünftig durch Sprachgruppen ersetzt werden.

Ungeachtet des Modells: Für eine funktionierende Integration ist ausreichendes (und ausreichend geschultes!) Schulpersonal unabdingbar.

Kommunale Integrationszentren koordinieren

Die Kommunalen Integrationszentren koordinieren in NRW die Integration der neu zugewanderten Kinder in die Regelschulen. In einem ersten Beratungsgespräch soll die bisherige Schullaufbahn erfragt werden und den Eltern oder Vormündern der Kinder und Jugendlichen das deutsche Schulsystem erklärt werden. Das Ziel ist es dann die neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen (sobald sie in den Kommunen wohnen) schnellstmöglich in Schulen zu integrieren.

Bochum: Aktuelle Beschulungssituation (Stand März 2017)

Anbei finden Sie einen offenen Brief, der u.a. an den Bochumer Oberbürgermeister Thomas Eiskirch adressiert ist. Zum letzten Stand konnten in Bochum (je nach Quellen Zahlen leicht abweichend) knapp 200 Kinder im schulpflichtigen Alter nicht beschult werden.

Der Flüchtlingsrat NRW hat den offenen Brief unterzeichnet und fordert Schulplätze für alle Kinder im schulpflichtigen Alter. Den Brief finden Sie hier


Köln: Aktuelle Beschulungssituation (Stand Januar 2017)

Die Kölner Initiative „Schulplätze für Alle“ hat ein Video veröffentlicht, in dem Schritt für Schritt erklärt wird was zu tun ist, bevor ein Kind, das neu nach Deutschland gekommen ist, in die Schule gehen kann.

„In bestimmten Stadtteilen (u. a. Rodenkirchen, Porz und Mülheim) stehen bereits heute nicht mehr ausreichend Schulplätze zur Verfügung, so dass dort eine wohnortnahe Beschulung zunehmend schwieriger wird. Hier ist geplant, diese Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des Schülerspezialverkehrs in Stadtteile mit noch freien Schulplätzen zu fahren und dort zu beschulen. Perspektivisch wird es im nächsten Jahr zu Engpässen kommen, weshalb aktuell die räumlichen Gegebenheiten an allen Grundschulstandorten kritisch geprüft werden.

Neue Vorbereitungsklassen können im vorhandenen Bestand erst wieder zum neuen Schulhalbjahr 2016/2017 eingerichtet werden. In der Folge warten derzeit 170 neu zugewanderte Kinder und Jugendlichen auf einen Schulplatz“.

Die Mitteilung der Stadt Köln zur aktuellen Situation der Beschulung neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher

Duisburg: Aktuelle Beschulungssituation (Stand Januar 2017)

Die anhaltend steigende Entwicklung der Flüchtlings-und Zuwanderzahlen in Duisburg machen nach wie vor die Schaffung weiterer Platzkapazitäten an allen Schulformen - insbesondere im Bereich der Grundschulen und der Sekundarstufe I zum Schuljahr 2017/2018- erforderlich.

Die Zahlen für Duisburg finen Sie hier:
Mitteilung des Oberbürgermeisters: Aktuelle Situation des Schulbesuchs von Zuwanderer- und Asylbewerberkindern

Im Januar 2017 berichtet der Kölner Stadtanzeiger vom Schulplatzmangel vor Ort:

„Der eklatante Mangel an Schulplätzen wirkt sich auch auf die Versorgung von Flüchtlingskindern aus. Derzeit stehen 170 schulpflichtige Kinder unter 16 Jahren auf einer Warteliste, weil es für sie keinen Platz in den Vorbereitungsklassen gibt“.

DLF Interview mit Sylvia Löhrmann, NRW Bildungsministerin, vor dem Beginn des Schuljahrs 2016/2017

Das heißt, wir haben zusätzliche Stellen, 674 im Grundbedarf geschaffen, weil einfach mehr Kinder da sind. Und wir haben Integrationsstellen, die wir auch sowieso haben, noch mal um 300 aufgestockt, die jetzt ganz speziell zum Deutsch lernen der Kinder da sind.

Das Interview in voller Länge finden Sie hier.

Erlass Regelklassen sind in NRW vorzuziehen

1. Regelklassen

1.1 Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte besuchen grundsätzlich Regelklassen in der von ihnen besuchten Schule und nehmen grundsätzlich am gesamten Unterricht teil. Sie erhalten bei Bedarf zusätzlichen Förderunterricht in Deutsch und werden individuell gefördert.
[…]
1.3 Klassen, die ausschließlich von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte besucht werden, sollen grundsätzlich vermieden werden. Sie dürfen von der Schulaufsichtsbehörde nur in besonders gelagerten Einzelfällen zugelassen werden.
 
2. Vorbereitungsklassen

2.1 Für schulpflichtige Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte, deren Kenntnisse in der deutschen Sprache die Teilnahme am Unterricht einer Regelklasse noch nicht ermöglichen, werden bei Bedarf Vorbereitungsklassen eingerichtet. Dieses ist in allen Schulformen möglich. Ziel der Vorbereitungsklasse ist die schnellstmögliche Eingliederung der Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte in die ihrem Alter oder ihrer Leistungsfähigkeit entsprechende Regelklasse. Sie sollen in der deutschen Sprache so intensiv und individuell gefördert werden, dass ihre Verweildauer in der Vorbereitungsklasse in der Regel zwei Jahre nicht überschreitet. Ein vorzeitiger Übergang ist anzustreben (vgl. auch 6.2). Für Schülerinnen und Schüler, die während des Schuljahres den Schulbesuch aufnehmen, ist die Bildung von Auffangklassen bei Bedarf möglich. Mit Schuljahresbeginn müssen diese Schülerinnen und Schüler den Vorbereitungsklassen oder wenn möglich den Regelklassen zugewiesen werden.

[…]

2.4 Unterrichtssprache ist Deutsch. In den Vorbereitungsklassen richtet sich die Gesamtzahl der Schülerwochenstunden nach der für die jeweilige Jahrgangsstufe vorgesehenen Stundenzahl. Der Schwerpunkt der gesamten Unterrichtsarbeit liegt auf dem Erlernen der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Der Deutschunterricht soll zehn bis zwölf Wochenstunden umfassen. Der Unterricht beginnt mit dem Lese-Schreib-Lehrgang in der deutschen Sprache. Auch der sonstige Unterricht dient vorrangig dem Erlernen der deutschen (Fach-)Sprache. Auf musischen Unterricht und Sport darf nicht verzichtet werden.

 

Land NRW: Aus Auffang- bzw. Vorbereitungsklassen werden Sprachfördergruppen.

Bisher gab es in NRW Auffang- oder Vorbereitungsklassen, in denen geflüchtete Kinder und Jugendliche hauptsächlich Deutschs lernen sollten um dann sukzessive in die Regelklassen integriert zu werden. Im Interview spricht Ralph Kuhn, Leiter der Gesamtschule Rodenkirchen über Vorbereitungsklassen und Integration von Kindern mit Fluchterfahrung in Schulen. 

Diese Vorbereitungsklassen soll es fortan so nicht mehr geben – zumindest nicht unter diesem Namen.
Der Erlass von Schulministerin Sylvia Löhrmann sorgte für viel Kritik. Während die Ministerin versichert, dass alles beim Alten bleibe, und sich nur die Namen ändern würden haben Opposition und Lehrergewerkschaften Kritik am neuen Erlass. Sie sehen eine enorme Belastung für das Lehrpersonal und im Erlass den Versuch Vorbereitungsklassen zu streichen.

Presse

08.07.2016 WDR: Krach im Landtag um Erlass zu Flüchtlingen in Schulen

15.07.2016 Generalanzeiger Streit um Unterricht für Flüchtlinge

Zurück zu "Arbeit + Bildung"

SCHULE FÜR ALLE

Das Recht auf Bildung kennt keine Ausnahme

30 Jahre Flüchtlingsrat NRW - Jetzt erst recht!

Der Flüchtlingsrat NRW wurde am 14. Dezember 1986 im Rahmen einer Tagung der Ev. Akademie Mülheim gegründet, um, zunächst als offenes Bündnis aktiv, die Arbeit der relativ jungen örtlichen Asylarbeitskreise und Flüchtlingsräte  im  großen  Flächenland  Nordrhein-Westfalen zu bündeln und geschlossen an die Landespolitik heranzutreten.

[weiterlesen]

Ehrenamtliche für Infostände gesucht!

Für die Betreuung unserer Infostände suchen wir engagierte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer!

[weiterlesen]


Handreichung zur Wohnsitzregelung

Informationen zur Wohnsitzregelung für anerkannte Flüchtlinge gemäß §12a AufenthG für Nordrhein-Westfalen – Stand 28.02.2017

[weiterlesen]

Kooperations- und Fördermöglichkeiten für flüchtlingspolitische Veranstaltungen und Projekte

Broschüre des FR NRW, Stand April 2017, zu verschiedenen Institutionen, die fortlaufend für eine finanzielle Unterstützung von Projekten und Veranstaltungen zu flüchtlingspolitischen Themen angefragt werden können und Extrabroschüre mit temporären Fördermöglichkeiten.
Mehr dazu

Folgen Sie dem Flüchtlingsrat

auf facebook und twitter


  Gefördert u.a. durch:

© Flüchtlingsrat NRW 2017